Bildhonorare: stürmische Zeiten und düstere Aussichten

Bilder sind Kommunikation, erzeugen und transportieren Image, machen ein Unternehmen unverwechselbar und können im Interesse eines Unternehmens in der Kalkulation des zentralen Einkaufs ganz sicher nicht wie Druckerpapier oder andere Verbrauchsmaterialien bewertet werden.

Bild- und Fotografenhonorare: seit Jahren gibt es stürmische Zeiten und düstere Aussichten. Natürlich spielt „Wettbewerb“ eine Rolle, auch Bildagenturen sehen sich der massiven Konkurrenz von Microstock, Plattformen mit scheinbar kostenlosen Angeboten oder scheinbar frei nutzbarer Bilder aus CC-Lizenzen oder Public Domains ausgesetzt. Auftraggeber, die sich an einem Einzelbildpreis von wenigen Euro orientieren, vergessen allerdings, dass sie für dieses Honorar weder eigens produzierte Bilder erwarten können noch professionell erstellten, rechtssicheren „visuellen Content“ erhalten. Bilder sind Kommunikation, erzeugen und transportieren Image, machen ein Unternehmen unverwechselbar und können im Interesse eines Unternehmens in der Kalkulation des zentralen Einkaufs ganz sicher nicht wie Druckerpapier oder andere Verbrauchsmaterialien bewertet werden. Zu dem Thema hat Silke Güldner, die sich sonst nicht an Bildanwender wendet, untenstehend deutliche Worte gefunden.

Der Perspektivenwechsel oder: Ein unmoralisches Angebot

Die Honorarentwicklung für Fotografen ist ein brisantes Thema. Seit Jahren sind die Arbeits- und Nutzungshonorare, die Fotografen für Aufträge erzielen können, in einer konsistenten Abwärtsbewegung. Was sowohl Fotografen als auch Kunden aus Unternehmen und Werbung bestätigen. Das liegt nicht nur daran, dass es einen (zu) großen Wettbewerb unter den Fotografen gibt und Kunden sich ihren Wunschfotografen aussuchen können. Etatdirektoren, Einkäufer und andere Budgetverantwortliche müssen Zahlen erzielen, die dem jeweiligen Unternehmen Wachstum sichern. Und dabei gehen sie aufs Ganze.

Normalerweise schreibe ich in dieser Kolumne in PROFIFOTO über Themen für Fotografen. Dieses Mal ist es anders, ich richte mich an die Kunden.

Bildquelle: © Stefanie Link

Leider ist das kein Einzelfall, mehrere Fotografen berichten von „Angeboten“ dieser Art. Und dabei handelt es sich oft um Mitarbeiter mittelständischer Firmen, die diese Anfragen versenden. Die meisten hielten es für einen schlechten Witz. Der Absender war aber real.
Die Reaktionen schwanken zwischen Ungläubigkeit über Wut bis zur Hilflosigkeit: Wie soll man darauf reagieren, soll man überhaupt reagieren? Und wie kann man diesen Kunden klar machen, dass es sich bei diesem Angebot um eine Dreistigkeit handelt. Dass es unmöglich ist und dem Berufsethos widerspricht, Qualitätsarbeit und professionelle Fotografie in diesem Umfang und zu diesen Konditionen zu liefern!

100 Euro Honorar am Tag ergibt einen Stundensatz von 12,50 Euro. Jeder Fotografen-Assistent bekommt mindestens 200 Euro pro Tag. Und von 12,50 Euro pro Stunde müssen sich selbständige Fotografen versichern, in ihr Equipment investieren, ihre laufenden Kosten bezahlen und Rücklagen bilden für Tage ohne Auftrag. Sie tragen das Risiko der Selbständigkeit, um vielen Kunden und Auftraggebern ihr Know how zur Verfügung zu stellen. Und selbst wenn ein Fotograf an jedem Werktag 100 Euro verdienen würde, das monatliche Einkommen liegt trotzdem weit unter dem, was ein selbständiger, professioneller Berufsfotograf verdienen muß und vor allem, aufgrund seiner Expertise, wert ist.
Der Fotografenverband Freelens e.V. hat bereits 2012 einen offenen Brief geschrieben, in dem er sich an Auftraggeber wendet, die glauben, dass Berufsfotografen kostenlos Bilder anfertigen oder abgeben. Der Titel „Warum Fotografen nicht umsonst arbeiten können“, nachzulesen auf freelens.com. Ich schließe mich dieser Argumentation an und alle Fotografen, die ich kenne ebenfalls.

Unklar bleibt, welchen Qualitätsanspruch diese Kunden haben. Und ob sie wissen, wie ein professionelles Bild entsteht, weiter verarbeitet wird und welches Equipment und Software ein Profifotograf dafür benötigt. Selbst wenn man gar keine Erwartungen an das Bildergebnis hat, erscheinen 100 Euro absurd.
Viele Kunden wissen nicht, wie gut die zielgerichtete Zusammenarbeit mit einem Profifotografen den Erfolg des Unternehmens und das Image in den Augen der Zielgruppe befördert. Professionelle Fotos setzen das Produkt oder die Mitarbeiter in Szene und können den Verkauf steigern. Gute Fotografen machen nicht nur Bilder, sondern denken im Sinne des Unternehmens, bringen ihre Erfahrungen ein und beraten Sie bei Ihrem Vorhaben. Mit einem Angebot von mindestens 1000 Euro kommen Sie dem Wert der Fotoproduktion deutlich näher.

Überlegen Sie genau, was Sie wollen oder benötigen. Einen Fotografen, der die beschriebenen Qualitäten mitbringt, Erfahrung hat und Ihr Unternehmen in der Außendarstellung stärkt? Der Ihnen Bilder liefert, von denen Sie vorher nicht wussten, wie gut diese zu Ihren Zielen und Erwartungen passen? Der Ihre Bilder sorgfältig bearbeitet und für Sie archiviert, oft viele Jahre abrufbar? Dann wird sich jeder Fotograf über Ihre Anfrage freuen und sie gerne beantworten.

Ansonsten verschonen Sie Fotografen bitte mit diesen absurden E-Mails, nehmen Ihr Smartphone und machen kostengünstig Ihre Bilder am besten selbst!

Die Autorin: Silke Güldner berät Fotografen und Kreative bei der richtigen Positionierung, dem Auftritt und der digitalen Präsentation.

http://www.silkegueldner.de

Portrait Silke Güldner: © Stefanie Link

Beitragsbild: © Sabine Pallaske Fotografie

4 Kommentare zu “Bildhonorare: stürmische Zeiten und düstere Aussichten

  1. Genau so sollte es sein, aber so lange die „Kunden“ sehr gut gemachte Fotos auf den einschlägigen Plattformen für „lau“ herunter laden können, werden diese weisen Worte ungehört verhallen. Ich war gerade wieder auf einem Seminar, wo uns diverse Links für den kostenlosen Downloads von Fotos zur freien Verwendung empfohlen wurden. Ich wüsste gerne, wer so doof ist und seine Bilder an solche Seiten verschenkt. Genau da liegt für mich das Problem und nicht bei den „Kunden“, die diese Gratis-Angebote nutzen

    1. Hallo Robert,
      ich weis nicht, auf welchem Seminar du warst. Links für den kostenlosen Downloads von Fotos zur freien Verwendung sind meiner Meinung per se recht zweifelhaft in Bezug auf gewerbliche Nutzung. Ob diese Lizenzen kommerziell überhaupt nutzbar sind, ist fraglich und im Einzelfall zu entscheiden. Ich gebe dir recht: professionelle Fotografen sollten auf solchen Seiten nicht anbieten.

  2. Ralf

    Wieso sind solche Angebote zweifelhaft? Wenn Fotos eindeutig unter einer CC-Lizenz stehen, die kommerzielle Nutzung erlauben (und gerade bei CC ist das ja klar ausgezeichnet), dann hat sich der Urheber offenbar was dabei gedacht. Zum Beispiel findet man unter solchen Lizenzen viele historische Fotos.

    Die Frage ist doch: sollte man als Firma wirklich mit kostenlosen Fotos arbeiten, die x andere möglicherweise ebenfalls schon nutzen, für Zwecke, die man vielleicht sogar als Firma ablehnt. Das kann man bei solchen Quellen eben nicht wissen.

    Das gleiche Problem hat man mit Stockdiensten. Man holt sich ein paar Fotos für den neuen Webauftritt für fast lau, und dann tauchen die im Katalog des Mitbewerbers auf, weil halt thematisch gut passt… Geiz ist bei sowas immer ein schlechter Berater.

    1. Hallo Ralf, CC-Lizenzen sind nicht per se zweifelhaft, allerdings hat sich häufig gezeigt, dass viele Fotografen und noch mehr Nutzer die Nutzungsbedingungen nicht verstehen.Fotografen stellen zb Bilder, die anderswo kommerziell anbieten unter kostenfreie Lizenzen CC ins Netz. Kunden lassen häufig die geforderten Credits vermissen oder beschneiden/bearbeiten die Bilder, wenn dies nicht gestattet ist. Für Fotografen ärgerlich: sind Bilder kostenfrei ins Netz gesetzt, kann auch bei fehlendem Credit oder verbotener Bearbeitung zwar eine Urheberrechtsverletzung festgestellt werden, ein Schadensersatz entfällt aber, weil kein Honorar zur Lizenzanalogie herangezogen werden kann.

      Das grosse Problem ist, dass sich das CC-Modell rechtlich schwer handhaben lässt, ähnlich wie „public domain“, nicht nur bei uns, sondern sogar in den USA, wo der Streit zwischen Carol M. Highsmith und Getty durch die Schlagzeilen ging. Selbst im Mutterland von public domain gibt es gravierende Interpretationsunterschiede „frei für gemeinnützige Nutzung“ oder „gemeinfrei“.

      Und ja – zu deinem Einwand Geiz als schlechter Berater kann ich dir im Sinne von guter Unternehmenskommunikation nur Recht geben!

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