Alles nur geklaut: der virtuelle Fotograf Eduardo Martins – wie eine Kunstfigur jahrelang Bildagenturen und Medien täuschte

Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Über Jahre hin konnte ein sich selbst erfundener Krisengebiet-Fotograf Medien und Bildagenturen täuschen, indem er Bilder realer Fotografen als seine Werke ausgegeben hat. Wie konnte er das durchziehen? Ein wenig Licht ins Dunkel…

Seine Reputation hat er sich in Social Media erschaffen: Post auf Instagram (bis zur Löschung über 120 000 Follower) und Facebook mit einem Profilbild, das vom Instagram-Account eines britischen Surfers stammt, der in Spanien lebt.

Seinen „Content“ hat er sich mit Bildern anderer Fotografen geschaffen: gespiegelt, leicht verändert sind diese durch die Suchmaschinen gerutscht.

In der vor-digitalen Zeit gab es das auch: Anmaßung von Urheberschaft. Dies war aber recht kostenaufwändig: man musste vom Original eine gute Kopie herstellen lassen, es hiess erst einmal an das Original heranzukommen, Reproduktionen des Originals mussten aufwändig bearbeitet werden. In digitale Zeiten: ein wenig Zeit für Recherche vorab, ein Mausklick zum Sichern und Zeit für die Bearbeitung danach.

Auf die Spur des nicht existierenden Fotografen kamen Natasha Ribeiro, selbst Fotografin und Journalistin bei BBC Brazil mit Schwerpunkt Mittlerer Osten und der Journalist Fernando Costa Netto, der selbst in Krisen- und Kriegsgebieten fotografiert. Zusammen mit Ignacio Aronovich, einem anderen Fotografen aus Brasilien, recherchierten sie die „Fake-Bilder“, versuchten Kontakt mit ihm aufzunehmen, die Person zu verifizieren. Niemand kannte ihn, hat ihn je an den angeblichen Einsatzorten gesehen.

Viele der Bilder, die er als seine angegeben hat, stammen von Daniel C. Britt, der als Fotograf in Krisengebieten des Mittleren Osten wenig Zeit hat, das Internet nach Verletzungen zu durchsuchen.

Die Agentur, die Eduardo Martins vertreten hat, hat seine Reputation aus den Profilen seiner Social-Media-Auftritte und seiner Website gezogen, die Bilddaten seien außerdem von beiden Seiten, Website wie Socialmedia, verfügbar gewesen.

Eduardo Martins ist eine fiktive Figur. Sein Erfinder hat grossen Schaden angerichtet. Er stellt die Fotografen, die wahrhaftig von den Krisengebieten unserer Welt berichten, unter Generalverdacht der „Fake-News“.

Darüber hinaus hat er nicht nur der vertretenden Agentur geschadet, sondern generell den „Credit“, den korrekten Urhebernachweis, die Glaubwürdigkeit von Bildanbietern in Frage gestellt.

Was heisst das für Nutzer visuellen Contents, der von Agenturen und Plattformen stammt?

Vergewissern Sie sich des Urhebers. Das ist bei echten Bildagenturen (hier besteht ein echter, schriftlicher Vertrag) einfacher als bei Plattformen, bei denen einfach Bilder hochgeladen werden.

Das gilt insbesondere bei sensiblen Inhalten (Personendarstellungen, Zusammenhang mit medizinischen oder weltanschaulichen Inhalten, usw.) Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen. Ein Telefonat, eine E-Mail mehr spart im Zweifelsfall die Abmahnung und/oder gerichtliche Auseinandersetzung.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei kostenfreien Angeboten anzuwenden – neben der Anonymität derjenigen, die dies auf den Plattformen posten, sind hier die Nutzungsbedingungen zu beachten.

Sie als Veröffentlichenden beissen im Zweifelsfall die Hunde: Sie sind Adressat für den Urheber, für den in Persönlichkeitsrechten Verletzen – Sie sind das letze Glied der Rechtekette – sorgen Sie dafür, dass diese geschlossen ist.

 

Bildquelle Beitragsbild: © Sabine Pallaske Fotografie

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